Heute weiß ich, dass es unerlässlich ist, die eigene Freizeit nicht aus den Augen zu verlieren und ich rate auch Bekannten und Freunden immer wieder dazu, den eigenen Job nicht an die erste Position zu stellen. Allerdings verstehe ich auch, wenn sich Menschen voller Hingabe dem eigenen Beruf widmen. Immerhin gehörte auch ich zu der Riege, die im Job eine gewisse Anerkennung sahen. Durch die wachsenden Anforderungen wird es jedoch immer schwieriger den eigenen Arbeitgeber glücklich zu machen. Wer sich dieser Mamutaufgabe stellt und dabei die freien Minuten aus den Augen verliert, wird recht schnell mit deutlichen Problemen zu kämpfen haben. Letztlich nagt der Stress des Alltages nicht nur am eigenen Nervenkostüm, sondern hinterlässt auch am Körper deutlich seine Spuren. Seitdem ich mein Wochenende ohne Stress verbringe und die Nachmittagsstunden nutze, um mich zu entspannen, bringe ich meinem Job eine wesentlich stärkere Motivation entgegen. Die freien Minuten nutze ich, um neue Energie zu tanken und den Kopf frei zu bekommen.
Ich weiß noch genau, warum ich mich gegen den dauerhaften Stress entschieden habe. An einem ganz normalen Wochentag hatte ich Zeit, um einige Minuten in einer Tageszeitung zu blättern. In dieser bin ich auf die Seite gestoßen, die über Horoskope und Wetter berichtet. Da mein Gesprächspartner nicht pünktlich zum Termin erschien, las ich sämtliche Beiträge auf dieser Seite. Irgendwann las ich dann auch die Horoskope. Nie zuvor hatte ich diesen auch nur einen Funken Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Sie waren für mich ein Angebot, das mich weder interessierte noch bewegte. Doch an diesem Tag kam ich irgendwann zu meinem eigenen Sternzeichen und dieses verriet mir, dass ich mir mehr Verschnaufpausen gönnen sollte.
Aus irgendeinem Grund dachte ich über den Inhalt der Horoskope nach. Mir wurde bewusst, dass die Inhalte meines Sternzeichens den Nagel auf den Kopf trafen und so beschloss ich, künftig ein wenig kürzer zu treten. Plötzlich, dank der Horoskope, lagen mir meine Freizeit und die Minuten, die ich mit meiner Frau und unserem kleinen Kind verbrachte, am Herzen. Ich begann über mein Leben nachzudenken und schraubte mein Arbeitspensum stückweise zurück. Immer wieder haben mich Menschen gefragt, warum ich mich so plötzlich für eine Änderung entschied. Meine Antwort verwies immer wieder auf die Horoskope.
Stress bestimmt in meinen Augen das Leben aller Menschen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man als Handwerker, Hausfrau oder Manager tätig ist. Auch ich ließ mich vom Stress des Alltages einnehmen. Irgendwann habe ich jedoch begriffen, dass man sich den Stress, der den Alltag prägt, immer selbst macht. Doch der Sprung aus dem hektischen Alltagstrott war schwierig und so habe ich gerade während der ersten Monate auch meine Freizeit mit Terminen geschmückt. Meine Frau litt in dieser Zeit erheblich. Ich war launisch und wusste nicht, ob die Entscheidung, meinen Beruf ins Mittelfeld der Prioritäten zu legen, richtig war.
Bereits seit einigen Jahren habe ich das Gefühl, dass die Anforderungen, die an einen Menschen im Job gestellt werden, sukzessive steigen. Viele Menschen lassen sich davon in eine Art Spirale ziehen, die durch Stress und Hektik geprägt wird. Auch ich brachte meinem Beruf lange Zeit eine enorme Aufmerksamkeit entgegen und widmete mich mit aller Kraft und Energie den Aufgaben, die ich bewältigen musste. Durch die Geburt meines Kindes hat sich das jedoch geändert. Plötzlich wurde meine Freizeit für mich immer wichtiger und so habe ich diese zum Mittelpunkt gemacht. Heute nutze ich die freie Zeit, die mir zur Verfügung steht, natürlich um sie mit meinem Kind und meiner Frau zu verbringen. Doch die Trennung zwischen Beruf und Privatem fiel mir schwer. Gerade in den ersten Monaten hatte ich oftmals ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber und konnte nicht richtig abschalten. Mittlerweile habe ich gelernt, dass diese Distanz unerlässlich ist, denn nur so kann man dem Druck standhalten.